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Vasella Lorenzo / Basler Zeitung; 20.09.2004; Seite 23, Lorenzo Vasella

Hilfe mit Kick für Baselbieter Lehrlinge

Jährlich wechseln im Baselbiet rund 500 Jugendliche die Lehrstelle. Hilfe bei Schwierigkeiten bietet das kantonale Förderprogramm E Lehr mit Kick.
Dank des Projektes E Lehr mit Kick müssen Kay und Yves (beide 18) ihre Lehrstelle nicht wechseln. Das kantonale Förderprogramm bietet Hilfe bei Problemen in Berufsschule oder Lehrbetrieb.

Mit Mathe hatte ich schon immer Mühe, sagt Kay. Er habe den Stoff einfach nicht verstanden, vor Mathetests fürchtete er sich. Diese Schwäche belastete den 18-jährigen Lehrling sehr. Denn die Schwierigkeiten in der Schule wirkten sich auf seine Lehre als Zimmermann aus. Es sei zu Diskussionen mit dem Lehrmeister gekommen, deutet Kay an, der in diesem Schuljahr seine Lehrabschlussprüfungen ablegen will. Auch der gleichaltrige Yves kämpfte mit Problemen in der Schule. Sein Angstfach war die Botanik, die Lehre als Landschaftsgärtner dadurch gefährdet.

Büffeln am Samstag. Situationen wie die von Kay und Yves Können zur Auflösung des Lehrvertrags führen. Der Jugendliche verliert seine Lehrstelle und muss auf dem angespannten Lehrstellenmarkt eine neue finden. Dieses Schicksal ereilt jährlich rund 500 Jugendliche im Kanton Baselland, weiss Niklaus Gruntz, Leiter des Amts für Berufsbildung und Berufsberatung. Mehr als ein Drittel dieser Lehrlinge würde ihre Lehrstelle wegen fehlender Motivation oder Schwierigkeiten in der Berufsschule verlieren.

Bei Kay und Yves kommt es nicht so weit, weil sie etwas gegen ihre Schwächen tun. Beide machen beim Projekt E Lehr mit Kick mit. Dieses kantonale Förderprogramm hilft ihnen, den Anschluss nicht zu verlieren. Vertraglich haben sich Kay und Yves dazu verpflichtet, jeden Samstag für ein paar Stunden an ihren Problemen zu arbeiten. Fachpersonen unterstützen sie dabei und bringen ihnen neue Lerntechniken bei. Kay hat zum Beispiel gelernt, Prüfungsstoff zusammenzufassen. Früher habe ich so lange gebüffelt, bis ich den Stoff auswendig konnte. Doch verstanden hatte ich ihn nicht, sagt der 18-Jährige.

Kicker holen auf. Zurzeit lassen sich 90 Jugendliche durch E Lehr mit Kick helfen. Von der angehenden Kleinkinderzieherin bis zum zukünftigen Velomechaniker sind Lernende aller Berufsgattungen vertreten. Selbstbewusst nennen sie sich Kicker. Konzentriert sitzen sie hinter ihren Büchern, während Freunde und Kollegen den freien Samstagmorgen geniessen. Doch die zusätzliche Mühe lohnt sich. Über 80 Prozent der Kicker durchlaufen ihre Lehre erfolgreich, so Elisabeth Nussbaumer, Projektleiterin von E Lehr mit Kick.

Der Erfolg des 1999 ins Leben gerufenen Förderprogramms hat sich herumgesprochen. Oft sind es die Lehrmeister, die ihren Schützlingen den Besuch von E Lehr mit Kick nahe legen. So kam auch Yves zum Programm. Sein Lehrmeister empfahl ihm, das Jahr zu wiederholen. Zimmermannslehrling Kay wurde von einem Mitschüler auf das Programm aufmerksam gemacht.

Das Programm E Lehr mit Kick richtet sich vorwiegend an Jugendliche, die am Anfang ihrer Berufslehre stehen. Wir wollen die Jungen auf die Herausforderungen in Berufsschule und Lehrbetrieb vorbereiten, betont Elisabeth Nussbaumer. Doch auch für fortgeschrittene Lehrlinge hat der Kanton Baselland Hilfe parat. Wer sich im Lehrbetrieb nicht zurechtfindet, kann sich an Ausbildungsberater wenden. Für Schwierigkeiten in der Schule bietet die Stabsstelle Berufsfachschulen individuelle Stützkurse an.

Von diesen Angeboten werden Kay und Yves keinen Gebrauch machen müssen. Sie erkannten ihre Schwächen frühzeitig. Yves kann so seinen Traumberuf erlernen. Und Kay hat die Angst vor Mathetests verloren.

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