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Basler Zeitung; 19.02.2004; Seite 32

Auch junge Menschen geraten in die Sozialfalle

Die jungen Erwachsenen, die 15- bis 25-Jährigen, machen in Baselland 15,7 Prozent aller Sozialhilfebezüger aus. Mit Programmen sollen diese jungen Menschen möglichst schnell den Weg zurück in die Unabhängigkeit finden, wie am ersten Sozialhilfe-Forum erklärt wurde.

Pratteln. cth. Thema des ersten Forums des Verbands für Sozialhilfe Baselland war "Junge Menschen in der Sozialhilfe". Laut ZGB gibt es die Altersgruppe der jungen Erwachsenen gar nicht, meinte Rudolf Schaffner, Vorsteher des kantonalen Amts für Sozialhilfe. Dennoch spielten die 15- bis 25-Jährigen in der Sozialhilfe eine wichtige Rolle und würden als Kundenkreis mit eigenen Problemstellungen angesehen, so Schaffner. Eine Ursache für das Problem sieht Schaffner bei der abnehmenden Solidarität. Die Familiensolidarität funktioniert nicht mehr. Das langfristige Verweilen der jungen Erwachsenen in der Sozialhilfe könne nicht das Ziel einer Gesellschaft sein. Alle Beteiligten seien gefordert, auch die Wirtschaft, die mit genügend Lehrstellen die jungen Erwachsenen in die Arbeitswelt integrieren soll.

Die Sozialhilfe ist auch bei jungen Erwachsenen subsidiär und kommt erst zum Einsatz, wenn andere Stellen nicht zuständig sind. Zuerst müsste eine zumutbare Selbsthilfe, müssten Unterhaltsbeiträge von Eltern und Verwandten, Stipendien oder Versicherungsbeiträge eingefordert werden, betonte Schaffner. Eine Sonderstellung nähmen die 18- bis 20-Jährigen ein, weil sie die Sozialhilfegelder im Gegensatz zu den älteren Sozialhilfebezügern nicht zurückerstatten müssten.

Verwandtenunterstützung

Schaffner legte Wert darauf, dass Eltern die Erstausbildung finanzieren müssten. Nach dem neuen Sozialhilfegesetz bezahle die Sozialhilfe keine Ausbildungen mehr. Im Kanton Baselland gelte nach wie vor die Verwandtenunterstützung. Die Grundhaltung "Mir stinkts zuhause" reiche nicht aus, dass die Sozialhilfe den jungen Erwachsenen eine Wohnung bezahle. Auch hier müsse die finanzielle Situation der Eltern abgeklärt werden. *Wir hatten im Baselbiet zwei Fälle, in denen Jugendliche Sozialhilfe einforderten, deren Eltern ein Vermögen von 51 und 2 Millionen versteuerten*, so Schaffner. Jungen Erwachsenen könne ein Zimmer oder ein Zimmer in einer WG zugemutet werden. Erwin Müller aus Bubendorf, BWK-Lehrer in Liestal, erklärte, der Übergang ins Erwachsenenleben sei mit Ängsten und Chancen verbunden.

Bei den Praktika in der Berufswelt machten viele Jugendliche die Erfahrung, dass sie etwas gelten. Versagensgefühle hingegen hielten Jugendliche davon ab, ihr Leben selbstständig zu gestalten. Jugendliche brauchten Strenge und Wertschätzung zugleich, betonte Müller. Ich kenne viele Jugendliche, die diese Chance gepackt haben. Das neue Bildungsgesetz legt fest, dass Schulsozialarbeit die Probleme von Jugendlichen möglichst früh auffangen soll. Frank Brodmann, Schulsozialarbeiter in Muttenz, machte auf die unklare Situation der Schulsozialarbeit im Baselbiet aufmerksam. Inzwischen sei wenigstens ein Teil dieser Fragen geklärt. Seit über einem Jahr sind wir mit dem Kanton am Verhandeln. Das drückt auf die Arbeitsmoral und auch auf die Motivation, betonte Brodmann.

Viele Angebote

Josua Oehler, Rektor der Gewerblich-industriellen Berufsschule Liestal, stellte die Unterstützungsangebote für Jugendliche während der Lehre vor, so die Brückenangebot, das Förderangebot E Lehr mit Kick, die Lehrplätze für Migrantinnen und Migranten und schliesslich die Jugendberatungsstelle wie weiter?. Dort wird Knochenarbeit geleistet, betonte Oehler, allerdings mit dem gebührenden Erfolg.

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